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Pressespiegel

04Jun

Stormarner Tageblatt vom 4. Juni 2014

Kleines Haus für viele Räder. Bad Oldesloe plant neuartige Lösung für Fahrrad-Stellplatz-Problem am Bahnhof.

Das Radhaus

Designvorschlag: Das Radhaus gibt es in unterschiedlichen optischen Varianten. Foto: st

Bad Oldesloe

Mit dem Fahrrad zum Bahnhof? Ein Glücksspiel - findet man ein Plätzchen für das Rad und in welchem Zustand trifft man es bei der Rückkehr an? Seit Jahren wird in Bad Oldesloe eine Lösung gesucht, um am Bahnhof weitere geschützte Fahrradabstellplätze bereitstellen zu können. Es gab bereits Pläne, es gab eine Infoveranstaltung mit Experten des ADFC, am politischen Willen würde es nicht scheitern, aber wegen der Personalfluktuation im Bauamt kommt das Thema nicht voran.

Da aus der Verwaltung schon länger keine konkreten Vorschläge kommen, ist die Politik aktiv geworden. Die Grünen beantragten im Bauausschuss den Bau zweier Radhäuser nach Offenburger Vorbild. Dabei handelt es sich um ein kleines Gebäude, in dem vollautomatisch 120 Fahrräder geparkt werden können. Jeweils zwölf Räder stehen diebstahlsicher, wetterfest und durch Wände voneinander getrennt auf einer Trägerpalette. In den Boxen soll auch noch ausreichend Platz für Helm und Radlerkleidung sein. Ein Liftsystem sorgt für den Transport der Paletten auf eine der inneren Ebenen.

Das Radhaus wird von zwei Seiten aus "beladen" - über jeweils sechs Türen können Räder gleichzeitig eingestellt werden. So sollen Zugriffszeiten zwischen 18 und 24 Sekunden realisiert werden - ohne den Faktor Mensch wird etwa eine Minute für das rückwärts Einparken kalkuliert. Der Zugriff auf die Boxen erfolgt mit codierten Chips. Diese soll es sowohl für Dauerparker, die ein Fach mieten und damit einen Stellplatz sicher haben, wie auch für Spontannutzer geben, die dann per EC- oder Kreditkarte zahlen müssten.

Das Radhaus klingt zwar gewaltig, hat aber nur einen geringen Platzbedarf - nicht mal 45 Quadratmeter Grundfäche werden jeweils benötigt. Dr. Hartmut Jokisch hatte für die Grünen bereits einen geeigneten Platz ausgesucht. Zwischen Bushaltestellen und dem neuen Parkplatz Mommsenstraße ist eine kleine Grünfläche. Da seien zwar grade erst Bäume gepflanzt worden, doch die könnten ja noch umgesetzt werden. Dieses Areal ist dann aber doch zu klein.

Für die Bauausschusssitzung in der kommenden Woche hat die Verwaltung zwei Alternativen vorgeschlagen. Jeweils links oder rechts des Bahnhofs auf bisherigen Autostellplätzen - die dann natürlich verloren gingen. Da die Parkplätze seinerzeit mit Fördermitteln gebaut wurden, könnte es sein, dass die Stadt Gelder erstatten muss.

Der Bau eines Radhauses würde etwa 330 000 Euro kosten. Hartmut Jokisch geht davon aus, das auch dafür Fördermittel fließen werden - die Rede ist von bis zu 80 Prozent.

"Toll", findet ADFC-Vorsitzender Reiner Hinsch das Konzept: "Vom Ansatz her habe ich ein gutes Gefühl. Wie will man sonst auf so kleiner Fläche so viele Fahrräder unterbringen. Das ist mal etwas innovatives, mit dem die Stadt eine Vorreiterrolle einnehmen könnte." Der passionierte Radler hat sich in Offenburg erkundigt, dort sei man mit der Technik sehr zufrieden. Die werde ja auch schon länger erfolgreich in Parkhäusern für Autos eingesetzt. Bei der Suche nach einem geeigneten Bauplatz für das Radhaus will sich der ADFC gerne einbringen. Reiner Hinsch: "Eine Umwidmung von vier Pkw-Parkplätzen an einem zentral zum Bahnhof gelegenen Parkplatz ist hierfür eine sinnvolle Lösung und ermöglicht noch mehr Bürgern den Umstieg auf das Fahrrad. Man kann ja schlecht den völlig überdimensionierten Busbahnhof umsetzen. Da ist damals mit Platz umgegangen worden, als hätten wir ihn in Hülle und Fülle." Je dichter zum Eingang desto besser, aber auch die 170 beziehungsweise 200 Meter aus dem Verwaltungsvorschlag seien "besser als gar kein Radhaus".

In Sachen Preisgestaltung hat der ADFC auch schon eine klare Meinung. "Radfahrer sollten das gleiche bezahlen wie Autofahrer auf den P&R-Parkplätzen", so Hinsch. In Offenburg kostet der Stellplatz für Dauerparker 60 Euro jährlich. Das will der Vorsitzende nicht von vornherein ablehnen, wenn der jeweilige Radler dadurch auch garantiert einen Platz bekommt. Hinsch regt an: "Darüber sollten wir lieber etwas länger nachdenken, um eine Lösung zu finden, mit der Missbrauch verhindert wird." Denkbar sei beispielsweise, den Dauerstellplatz an eine Dauerkarte der Bahn zu koppeln. Andreas Olbertz


Standpunkt

Tut was!

Die Situation für Bahnnutzer, die mit dem Rad zum Bahnhof kommen, ist unerträglich. Das weiß jeder, das bestreitet niemand und doch passiert nichts. Aus dem Bauamt kommt einfach nichts. Auch die Vorlage für die nächste Sitzung des Bauausschusses ist eigentlich nur Frechheit zu nennen. Statt die Thematik beschlussreif vorzubereiten, werden nur halbgare Bröckchen hingeworfen. Politik ist gefordert, klare Ansagen zu machen. Andreas Olbertz