Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder

Pressespiegel

08Mai

Lübecker Nachrichten vom 8 Mai 2014

Das Tor zur grünen Oase wird saniert. Landesregierung arbeitet im Rekordtempo: Es gibt Fördermittel zur Neugestaltung des Alten Friedhofs.

Von Dorothea von Dahlen

Bad Oldesloe - Der Alte Friedhof in Bad Oldesloe kann zurecht als grüne Oase bezeichnet werden. Viele Büroangestellte durchqueren ihn täglich als Abkürzung auf dem Weg in die Innenstadt, Hundebesitzer gehen dort mit ihren Vierbeinern Gassi. Ansonsten führt der kleine Park am Rande der Bahnhofstraße fast so etwas wie ein Schattendasein.

Das soll sich in absehbarer Zeit ändern. Auf Wunsch der Stadtverordneten wird die Grünanlage nun neu gestaltet. Denn wider Erwarten wird ein entsprechendes Projekt, das schon 2011 im Maßnahmeplan des Stadtumbaus enthalten, aber abgelehnt worden war, nun doch zu 80 Prozent gefördert. Die Stadt muss einen Eigenanteil von 393 500 Euro leisten.

Wie Kämmerin Mandy Treetzen mitteilt, ist der Bescheid über die Förderung aus dem Topf der Städtebauförderung bereits eingetroffen. Dies geschah in Rekordzeit. Immerhin war der Antrag erst Mitte April eingereicht worden.

"Zurzeit ist die Anlage nicht so attraktiv, sie hat aber viel Potential", beschreibt Ulrike Köper vom Tiefbauamt der Stadt den Zustand des Alten Friedhofs. Wie sie berichtet, nehmen die Ehrenmale für die Gefallenen der beiden Weltkriege etwa ein Viertel des gesamten Terrains ein. Für das gesamte Areal gebe es aber noch kein schlüssiges Konzept. Bis dato sei der Park zwar in den vergangenen Jahren stets gepflegt worden, wesentliche Veränderungen dürften aber nicht ohne vorherige Absprache mit der Oberen Denkmalbehörde vorgenommen werden.

Denn der Alte Friedhof steht unter besonderem Schutz. Angelegt wurde er im Jahre 1824, als der Platz für neue Grabstätten auf dem Kirchhof an der Peter-Paul-Kirche nicht mehr ausreichte. Das Areal wurde damals mit Lindenalleen eingerahmt, zu dem wurden Weißdornhecken angepflanzt. Kreuzförmig verlaufende Wege teilten das Gelände in vier Quadrate auf.

Das repräsentative Torhaus, das den Eingang von der Bahnhofstraße aus bildet, wurde vom Hamburger Architekten Alexis de Chateauneuf geplant, der später auch die Alsterarkaden in Hamburg konstruierte. Auch andere bedeutende Künstler haben gewissermaßen ihre Spuren auf dem Friedhof hinterlassen. Dazu zählt etwa Bildhauer Richard Kuöhl, der den Gänseliesel-Brunnen am Oldesloer Markt sowie Grabmale auf dem Ohlsdorfer Friedhof schuf und nicht zuletzt der Lübecker Gartenarchitekt Harry Maasz.

Ideen, wie die Grünanlage wieder aufgewertet werden könnte, gibt es laut Ulrike Köper bereits einige. An oberster Stelle steht demnach die Restaurierung des historischen Torhauses, das bereits in den Jahren 1980/81 instandgesetzt wurde, und die Sanierung der anderen Eingänge. Denkbar sei es auch, einen weiteren Zugang zum Park von der Besttorbrücke aus zu schaffen und eine Aussichtsplattform zu errichten, die den Blick auf den Kirchturm freigibt.

Unsicherheit herrsche bislang noch bezüglich des Wegekonzeptes. So sei noch nicht geklärt, ob das Wegekreuz so rekonstruiert werden soll wie es früher einmal existiert hat oder ob die einfachen Trampelpfade, die mit der Zeit entstanden sind, weiterhin genutzt werden sollen. Gedanken müsse man sich auch über die Beleuchtung und die Möblierung des Parks machen, fehlten dort dochgeeignete Sitzgelegenheiten. Das Gleiche gelte für die Sanierung der Grüfte und Grabsteine bekannter Oldesloer Familien. Sie seien verwittert und bedürften einer Sanierung.

Laut Ulrike Köper ist die Geschichte des Alten Friedhofs bereits gut erforscht worden. Jetzt gelte es, ein Gesamtkonzept zu entwickeln, so dass alle Aspekte wie etwa die spätere Nutzung des Parks einfließen können. Mit dieser Aufgabe müsse auf jeden Fall ein Fachplaner beauftragt werden. Nur unter dieser Voraussetzung werde die Denkmalbehörde einer Umgestaltung des Parks zustimmen.

 

Grabschmuck verdorrte auf dem Weg in den Westen

Bad Oldesloe - Eine besondere Beziehungzum Alten Friedhof unterhält auch Ehrenfried Rautenberg.Er war von 1970 bis 1995 als Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamtes Bad Oldesloe für die Kriegsgräberanlage zuständig. Er legte zu Volkstrauertagen, an Totensonntagen und anderen Gelegenheiten, Blumen auf die Gräber. Angehörige eines Kriegstoten, die in den USA lebten, schickten ihm dafür regelmäßig 100 Dollar. Aus der DDR trafen statt Geld Kartons mit Grabschmuck ein - meist aber mit vertrocknetem Inhalt.

Rautenberg legte damals großen Wert darauf, dass die Grabsteine regelmäßig in Ordnung gebracht wurden. Ein Dorn war ihm stets die Pietätlosigkeit einiger Zeitgenossen. "Einmal musste ich Kinder einer bekannten Oldesloer Familie der Anlage verweisen, weil diese zwischen den Grabplatten zelteten", schreibt er. Zwischen den Rhododendron hatten sich zudem Obdachlose auf Matratzenlagern eingerichtet. Indem er die Hecken kurz hielt, nahm er den ungebetenen Gästen den Sichtschutz, und sie verschwanden. Ärger gab es zuweilen auch wegen beschädigter Grabsteinen, die er mit Komponentenkleber und Schraubzwinge selbst reparierte - meist noch nach Feierabend. "Leider waren sie auch tragbar", berichtet der einstige Friedhofswächter. Eine fehlende Grabplatte entdeckte er sogar im Schaufenster einer Imbissbude in der Bahnhofstraße. dvd