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Pressespiegel

08Mär

Stormarner Tageblatt vom 8. März 2014

Stormarner Wochenschau

www.wiedenroth-karikatur.de

Das ist doch alles keine Kunst

Gebolze "Ich will doch nur spieln", singt Anett Louisan in ihrem berühmtesten Lied. Und das gilt wohl auch für all die Nutzer des Kunstrasens auf dem Exer. Eigentlich ist es ja schön zu sehen, dass die städtische Investition von 600 000 Euro so gut ankommt. Auf dem Platz ist immer was los. Genau das ist jetzt das Problem. Wenn Jugendliche sich auf dem Platz treffen, um zu kicken und dann eine Mannschaft des VfL aus dem Umkleiden angetrabt kommt ... da braucht es nicht viel Phantasie, um sich den Konflikt lebhaft auszumalen. Die Rechtslage ist eindeutig, wie jetzt im Sozialausschuss mitgeteilt wurde: Der VfL und auch sonst kein Verein hat dort irgendwelche Vorrechte, jeder darf das Kunstgrün gleichberechtigt nutzen - auch unorganisierte Jugendliche. "Sich friedlich einigen", lautet die Zauberphrase. Nicht ganz zu Unrecht, weist VfL-Vorsitzender Detlef Rädisch in einer Pressemitteilung darauf hin, dass der Platz ja nur auf Drängen des Vereins mit Kunstrasen ausgestattet wurde. Aber schon wenn er weiter schreibt, früher habe es ja auch nie Probleme mit einer gemischten Vereins- und öffenlichen Nutzung gegeben, sind Zweifel angebracht. Streng genommen hat er natürlich auch an dem Punkt Recht, aber damals wollte da ja keiner freiwillig hin. Da waren die Voraussetzungen also auch ganz andere. Normalerweise müsste man sagen: Der Platz hat offizielle DFB-Maße, der war so teuer - der muss für den Vereinssport zur Verfügung stehen. Vernünftiger Trainings- oder gar Punktspielbetrieb ist allerdings nur mit Verlässlichkeit möglich. Aber leider muss man feststellen, dass der VfL offensichtlich bei weiten Teilen der Politik schlicht verschissen hat. Das aggressive, fordernde, ständig kritisierende, teilweise sogar intrigierende Verhalten stößt vielen mächtig sauer auf. Die Sorge ist groß: Wenn dem Verein auch nur der kleine Finger gereicht wird, ist mindestens der Arm ab. Im Klartext: Dann war's das mit einem öffentlich zugänglichen Exer. Die große Resonanz, die der Platz hervorruft, zeigt auch deutlich: Es gibt einen großen Bedarf an attraktiven, modernen Anlagen. Ein Rumpelplatz irgendwo in der Ecke ist eben nur ein müder Ersatz, der niemanden anlockt.

Verschenkt Da bekommt die Stadt ein Jahr lang einen Streetworker "geschenkt" - ein Pilotprojekt des Vereins für Straffälligenhilfe. Das Jahr ist um, tschüs, das war's. Okay, Oliver Rehers Erkenntnis nach diesem Jahr ist, dass die Situation in der Kreisstadt nicht so schlimm ist wie befürchtet und die Arbeit für eine Vollzeitstelle nicht reicht. Das ehrt ihn. Aber es wäre doch schön gewesen, wenn sich der Sozialausschuss rechtzeitig vor Ablauf der Frist, mit dem Thema beschäftigt hätte. Nur dann hätte die Chance bestanden, ihn weiter an die Stadt zu binden und seine Erfahrungen zu nutzen. Schade.

Geschenkt Für alles und jedes gibt es heutzutage eine Statistik. Ist ja auch schön, wenn man auf hartes Zahlenmaterial zurückgreifen kann. Nur: So hart, dass es den Realitätstest bestehen würde, ist es selten. Nicht mal bei der Polizei, wo klare Regeln gelten. Aber wer kennt die? Ob aufgeklärte Fälle in der Stormarner oder der Hamburger Statistik oder sonstwo landen, hängt davon ab, wo der Täter wohnt. Und der für mehr als 200 Fälle verurteilte Internet-Betrüger aus Bad Oldesloe müsste sich doch auch in der Statistik niederschlagen. Nur weiß man nicht, ob das als eine oder als 200 Taten gewertet wurde. Und Internet.Kriminalität, bei denen die Rechner in fast allen Fällen im Ausland stehen, taucht überhaupt nicht auf. Wozu die "harten" Zahlen dann noch gut sind? Man kann sie immerhin mit sich selbst vergleichen und Trends ablesen.

Andreas Olbertz