Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder

Pressespiegel

01Mär

Stormarner Tageblatt vom 1. März 2014

Trave Arkaden: Gefecht entschieden. Nach hitziger Debatte und Sitzungsunterbrechung segnet der Bau- und Planungsausschuss das Fachmarktzentrum ab.

Bad Oldesloe Die Stimmung war angespannt wie die Luft vor einem Gewitter. Und das Gewitter sollte sich in der Sondersitzung des Bau- und Planungsausschusses zum Thema "Trave Arkaden" entladen. Dort saßen sich die Kontrahenten im Oldesloer "Bio-Streit" erstmals gegenüber: Die Osnabrücker Investoren Alexandra und Hans Jürgen Weber und die Kämpfer gegen einen Bio-Discounter ("Denn's"), der in den Neubau auf dem jetzigen Postgeländes einziehen soll, ebenso wie Rewe, Budnikowsky und andere.

Wolfgang Bartolain, Initiator der Bürgersolaranlagen, hatte sich gegen den Bio-Discounter stark gemacht, weil der die beiden bestehenden Oldesloer Bioläden ihrer Existenz gefährdeten. Mittlerweile geht es ihm um viel mehr: "Wollen wir wirklich in einer Stadt leben, in der ein solcher Verdrängungswettkampf gewünscht ist?", so Bartolain. Die Politik sollte sich um das Wohl der Stadt und nicht um das eines Investors kümmern.

Die vom Investor beauftragte Gutachterin Katharina Staiger kann "keinen echten Verdrängungswettbewerb" erkennen, die Verträglichkeit des Projekts mit der Fußgängerzone sei aber auch nicht ihr Auftrag gewesen. Als Mittelzentrum habe Bad Oldesloe ein Einzugsgebiet mit einem Potenzial von 61 000 Käufern. Das Projekt sei eine Chance für die Stadt, die Kunden von den Supermärkten auf der grünen Wiese oder aus Reinfeld in die Innenstadt zu locken. "Oder wollen Sie, dass Investoren in Zukunft lieber in Reinfeld oder umliegenden Gemeinden investieren?", lauete daher die Gegenfrage.

Konkretes Zahlenmaterial, das die Politik gern haben wollte, konnte Katharina Staiger nicht liefern. "Wir sollen weitreichende Entscheidungen treffen. Dafür brauchen wir keine Meinungen als Grundlage", argumentierte Lars Cornehl (SPD).

SPD und Grüne würden sich von einigen wenigen vor deren Karren spannen lassen, kritisierte Uwe Rädisch (CDU): "Vor wenigen Monaten waren wir uns alle einig, und jetzt soll das alles wieder vom Tisch gewischt werden?", fragte er. Den Wunsch der Politik nach einem Supermarkt ohne die zusätzlichen Ladeneinheiten von 200 bis 400 Quadratmetern kommentierte Petra Engert aus dem Bauamt so: "Das was sie da wollen, gibt es nicht." Auf den Vorwurf von Ausschussvorsitzender Maria Herrmann (SPD) und Hartmut Jokisch (Grüne), dass die Verwaltung wichtige Informationen zu den Planungen nicht zur Verfügung gestellt habe, reagierte sie genervt: "Soll ich Ihnen nun etwa immer alles zukommen lasse, was sich dort gerade entwickelt?" Alexandra Weber zeigte sich irritiert über die Kritik in so einer späten Planungsphase:: "Wenn wir nur einen großen Vollversorger bauen sollen, dann wird das kein Eyecatcher. Dann bekommen sie das halt nicht." Uwe Rädisch verärgert: "Sehen Sie? Wenn ich Investor wäre, würde ich bald einen großen Bogen um Bad Oldesloe machen. Sie machen hier alles kaputt, was wir jahrelang aufgebaut haben", sagte er in Richtung der Ausschussvorsitzenden. SPD und Grüne bestanden aber auf einem Gutachten über die Auswirkungen auf die Innenstadt, was den Investor Weber auf die Palme brachte. "Ich hatte die Zusage der Verwaltung. Sonst hätte ich gar keine Verträge abgeschlossen. Wenn dieser Antrag durchkommt, machen wir noch heute die Bücher zu", so Hans Jürgen Weber. "All unsere Vorarbeiten sollen umsonst gewesen sein? Das tut verdammt weh, wie sie mit einem umgehen", setzte seine Frau hinzu.

Auf Wunsch des Investors wurde die Sitzung nicht-öffentlich fortgeführt, um intern über Finanzierungszahlen sprechen zu können. Danach hatte der Abend eine weitere überraschende Wendung parat. Hans-Hermann Roden (SPD) enthielt sich beim SPD-/Grünen-Autrag, ein weiteres Gutachten einzuholen. Der Antrag wurde mit fünf zu fünf Stimmen abgelehnt. Und Roden stimmte auch für die "Trave Arkaden". Dass sie nun "echt durch sind", konnten die Investoren und Petra Engert zunächst kaum glauben. Während sie sich "für die tolle Unterstützung" bedankten, kritisierte Maria Herrmann: "Wir wurden von Verwaltung und Investoren so unter Druck gesetzt, dass wir keine Zeit und keinen politischen Spielraum mehr zu haben schienen. Ein Unding."

GOK-Vorsitzende Susanne Relling-Peters begrüßte die Entscheidung. Sie sieht anders als Ladenflächenmanager Stefan Pötzsch eine "faire Chance" für die Oldesloer Bioläden, wenn sie weiter mit guter Beratung und Qualität punkten. "Wir sind alle Einzelhändler und uns über die Risiken und Entscheidungen bewusst." Wolfgang Bartolain will nun mit einer Onlinepetition gegen "denn´s" kämpfen: "Wir werden denen schon klar machen, dass sie hier nicht erwünscht sind." Patrick Niemeier