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Pressespiegel

08Feb

Stormarner Tageblatt vom 8. Februar 2014

Stormarner Wochenschau

www.wiedenroth-karikatur.de

Nicht jeder kann das kleine 1 x 1

Kriegsführung Als hätten wir nicht genug damit zu tun, die Oldesloer Innenstadt zu beleben und hier attraktive Geschäfte anzusiedeln, nein, jetzt wird auch noch ein Bio-Krieg vom Zaun gebrochen. Ob der zu einer besonderen Art der biologischen Kriegsführung führt, wie sie unser Karikaturist Götz Wiedenroth sieht, ist unwahrscheinlich. Das wird wohl eher juristisch ausgefochten.

Bio ist dabei nur ein Platzhalter und beliebig durch Töpfe, Bekleidung oder andere Sortimente aus der Innenstadt austauschbar. Gilt die freie Marktwirtschaft mit gnadenlosem Konkurrenzkampf zum vermeintlichen Nutzen des Kunden oder sollen durch gezielte Politik die bestehenden Geschäfte gestärkt werden und Anreize für Neuansiedlungen in der Innenstadt gesetzt werden? Eigentlich ist das gar keine Frage mehr, denn die Attraktivierung der Innenstadt liegt angeblich allen Fraktionen am Herzen. Dafür opfert die Politik viele kostbare Stunden und stellt noch viel mehr Geld bereit - in der Hauptsache für Ladenflächenmanager Stefan Pötzsch. Dumm nur, dass der in die Planung des neuen Einkaufszentrums auf dem Postgelände gar nicht eingebunden ist. Dumm auch, dass er von allen Infos zum Thema Trave-Arkaden abgeschnitten ist, mit der Postbank über eine Ansiedlung in der Schützenstraße verhandelt, während die Verwaltung an einer Containerlösung in der Lübecker Straße bastelt. Und dass er eine grundsätzliche andere Meinung zur Verträglichkeit eines Bio-Supermarkts vor den Toren der Innenstadt hat, als der vom Investor beauftragte Gutachter. Dumm auch, dass er Geschäftsleute und Vermieter beraten hat und jetzt alles anders kommen könnte. Wie soll Pötzsch jemals wieder im Sinne der Innenstadt harte Verhandlungen führen, wenn die Verwaltung längst andere Pläne schmiedet? Rausgeschmissenes Geld. Da wird grade mit dem Hintern umgestoßen, was mit dem Kopf mühsam aufgebaut worden war.

Pulverdampf Junge, Junge, was war Oldesloes Bürgermeister Tassilo von Bary in Fahrt. Eine verbale Breitseite nach der nächsten feuerte er im Sozialausschuss in Richtung Kreisverwaltung ab, weil die nach Gusto zusätzliches Personal für Kindergärten bewilligt hätte. Zum Teil schon vor 18 Jahren, aber im Oldesloer Rathaus hat man es jetzt erst bemerkt. Kostenpunkt aktuell: 130 000 Euro.

Von dem ganzen Pseudopulverdampf war den Oldesloer Politikern wohl Blick und Verstand etwas vernebelt, anders ist die Entscheidung, die Summe durchzuwinken (wenn die Stadtverordneten zustimmen), nicht zu verstehen. In der Sitzungsvorlage standen doch klare Kriterien. Hat das keiner gelesen? Die kann man gut finden oder nicht, die kann man übernehmen oder es bleiben lassen. Gibt es eine rechtliche Grundlage, wenn ja, muss gezahlt werden, wenn nein, müssen sich die Politiker überlegen, ob sie dafür Geld ausgeben wollen. Eigentlich ganz einfach und leicht zu lösen.

Rechenexempel Zweieinhalb Stunden brauchte Landrat Klaus Plöger, um einen jahrelangen Streit zu beenden. Über den Standort für eine neue Feuerwache hatten sich Reinbeks Politiker so zerstritten, dass SPD-Urgestein Klaus-Peter Puls aus der Partei ausgetreten war und Bürgermeister Axel Bärendorf so sehr an seinen Politikern zweifelte, dass er nicht noch einmal in Reinbek kandidieren will. War da überhaupt noch was zu retten? Als die Probanden sich beim Landrat trafen, war so mancher skeptisch. Aber der ehemalige Gesamtschul-Mathematiklehrer kann nicht nur loben, sondern auch streng sein. Unsachliche Beiträge ließ er gar nicht erst zu. Wer etwas zu sagen hatte, sollte das ergebnisorientiert tun. Dass die Streitschlichtung gelang, ist umso bemerkenswerter, da dem Landrat klar gewesen sein muss, dass aufgrund der Hilfsfristen der Standort am Baubetriebshof nicht das Ergebnis sein konnte. Wahrscheinlich brauchte es jemanden, der den Reinbeker Probanden klar vorrechnete, dass 1 und 1 zwei und nicht drei ergibt.

Tröstlich Klaus Plöger ist und bleibt der einzige direkt gewählte Landrat in Stormarn. Und für ihn, den ehemaligen Vorsitzenden der SPD-Kreistagsfraktion, hatten sich öffentlich auch CDU-Bürgermeister ausgesprochen. So etwas ähnliches, vielleicht noch ein bisschen mehr, schaffte jetzt Henning Görtz in Bargteheide. Der CDU-Bürgermeister wird bei der Neuwahl nicht nur von den Grünen unterstützt, sondern sogar von der SPD nominiert. Janhinnerk Voß in Großhansdorf hatte eine ähnlich breite Unterstützung in der Waldgemeinde, aber der ist parteilos. In Ammersbek möchte bislang niemand den Amtsinhaber nominieren, in Reinbek und Reinfeld wollen die Bürgermeister wegen mangelnder Unterstützung aus der Politik nicht wieder antreten. In Bargteheide begründete die SPD ihr Votum für Görtz damit, dass man gemeinsam etwas für die Stadt erreichen wolle. Es ist irgendwie tröstlich, wenn in der Politik der Verstand mehr zählt als das Parteibuch.

Rolf Blase, Andreas Olbertz