Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder
Messe Bilder

Pressespiegel

08Feb

Lübecker Nachrichten vom 8. Februar 2014

Beatrice Schmidt versucht Wohnungslosigkeit abzuwenden. Die Oldesloer Sozialarbeiterin betreut aber auch die 72 Obdachlosen in 16 Unterkünften.

Beatrice Schmidt

Beatrice Schmidt arbeitet mit und für Obdachlose. Foto: kks

Von Kerstin Kuhlmann-Schultz Bad Oldesloe - Sie kennt das Elend. Sie kennt Menschen am finanziellen Abgrund, Menschen ohne Wohnung: Beatrice Schmidt (43) ist Sozialarbeiterin bei der Stadt Bad Oldesloe. Ihr Arbeitsgebiet ist die Betreuung von Obdachlosen sowie straffällig gewordenen Jugendlichen. Ihr einziges Ziel: Den Menschen zu helfen.

Schmidt ist umtriebig, um diese Hilfe zu geben. Wird sie über eine Räumungsklage informiert, macht sie sich auf, den oder die Betroffenen zu sprechen. "Wenn es möglich ist, nehme ich Kontakt auf. Ich fahre so oft hin, bis ich jemanden antreffe", erzählt sie. In der Not greift sie zu Stift und Papier, stellt sich in einem Brief vor. Den steckt sie nie in einen Umschlag, denn "viele öffnen keine Briefe mehr". Zu viele Rechnungen, das Konto im Minus, die hohen Mietschulden, die zu Räumungsklagen führen.

Zwischen 25 und 30 davon gibt es pro Jahr in Bad Oldesloe, Tendenz steigend. 2013 konnten von 24 Klagen in 20 Fällen eine Obdachlosigkeit verhindert werden. "Richter entscheiden bei Räumungsklagen gegen Familien oft etwas großzügiger", so Schmidt. Gleichwohl, in den Notunterkünften der Stadt leben auch acht Familien, die keine eigene Wohnung mehr haben. Familien, für die es fast aussichtslos ist, auf dem so genannten ersten Wohnungsmarkt eine neue Bleibe zu bekommen. "Wenn die Schufa- Auskunft negativ ist", erklärt Schmidt, und der frühere Vermieter keine positive Bescheinigung ausstelle, sei das aussichtslos. Betroffen seien nicht nur Personen aus Risikogruppen sondern auch völlig normale Menschen.

"Ich hatte den Fall eines Selbständigen, der schwer krank wurde", erinnert sich die Sozialarbeiterin. Oder den Fall eines Mannes, der bei einer Zeitarbeitsfirma arbeitete und seinen Lohn nicht bekam. "Der Mann hatte drei Kinder, die Familie hat erst einmal für Essen gesorgt und an zweiter Stelle die Miete bezahlt." Das reichte natürlich nicht.

Oder der Rentner, der nach dem Tod seiner alten Mutter weiter in der Wohnung lebte. Als Schmidt zum ersten Mal bei ihm war, öffnete sich die Tür in eine Welt, die "wie eingefroren war". Nach dem Tod der Mutter hatte der Mann nichts gemacht, nichts verändert, war völlig hilflos und verwahrlost. "Ich habe ihm eine gerichtliche Betreuung organisiert." Das gehört dazu. Zusehen, wo stehen die Menschen. Zu sehen, "kann man noch was machen". Deshalb gehen Betroffene ihre Wege auch nicht alleine: Die Sozialarbeiterin der Stadt begleitet sie zur Schuldnerberatung, geht mit ihnen ins Jobcenter. Der Gang zum Jobcenter sei "der Zeitfresser schlechthin", aber dort zeige sich, wie wichtig es sei, dabei zu sein. Ohne Unterstützung ihrerseits kämen viele nicht so weit.

Die Obdachlosen wissen um diese Hilfe. Viele gehen deshalb erst einmal zu Beatrice Schmidt bevor sie bei ihrem Kollegen in der Verwaltung, Alexander Mielau, anklopfen. "Wir lösen die Probleme gemeinsam, aber wenn sie zu Herrn Mielau gehen, wissen sie, es wird ernst."