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Pressespiegel

04Feb

Stormarner Tageblatt vom 4. Februar 2014

Oldesloe vor dem Bio-Krieg – Initiative gegen „Denn’s“. „Ruinöser Existenzkampf“ – geplanter Ökosupermarkt im neuen Einkaufszentrum steht in der Kritik

Droht jetzt der Bio-Krieg? Eine Vorstufe davon ganz sicher, denn gegen die Ansiedlung eines Bio-Supermarkts in dem geplanten Fachmarktzentrum auf dem Postgelände an der Lübecker Straße regt sich Widerstand. Auslöser ist eine Mail von Wolfgang Bartolain, in der dieser dazu aufruft, der Geschäftsführung zu schreiben, dass ihr Laden in Oldesloe unerwünscht sei. Einen vorformulierten Text hat er gleich beigefügt. Diese Mail zieht nun im Internet ihre Kreise.

"Ich habe das Bedürfnis, da etwas zu unternehmen", erläutert Wolfgang Bartolain: "Wir haben seit Jahren Probleme mit der Innenstadt. Zwei sehr gute, inhabergeführte Geschäfte werden durch die Ansiedlung gefährdet." Der Kopf der Oldesloer Bürgersolar-Bewegung bezeichnet das vorgesehene Unternehmen "Denn's" als "Bio-Schlecker", prangert an, dass der Konzern einen schlechten Ruf habe, seine Mitarbeiter zu einem Drittel unter Tarif bezahle, auf rücksichtslose Geschäftsexpansion setze und nur über eine geringe Finanzdecke verfüge. "Die werden das in Oldesloe nicht lange durchhalten", ist Bartolain überzeugt: "Wenn der Umsatz unter zwei Millionen sinkt, werden sie wieder zu machen müssen, weil sie sonst pleite gehen." Dann könnte es für die Innenstadt - namentlich den Bioladen und das Reformhaus - aber schon zu spät sein.

Sandra Lübcke, Mitinhaberin des Reformhauses in der Mühlenstraße bestätigt: "Wir haben Existenzängste. Wenn Budni, Rewe und Denn's kommen, sind das gleich drei neue Konkurrenten, denn die führen alle drei Bioprodukte." Sie und ihre Partnerin hätten zwar viel positive Rückmeldung auf den erst kürzlich eröffneten neuen Laden bekommen, doch die Unternehmerin bleibt realistisch: "Der Kunde entscheidet letztlich über den Preis, und da werden wir nicht mithalten können."

"Das wird ein ruinöser Existenzkampf", befürchtet auch Myriam Klahn, Chefin von Lehmann's Bioladen in der Hagenstraße: "Die sind fünf mal so groß wie wir, bequem vom überdachten Parkplatz aus zu erreichen und führen komplett das gleiche Sortiment." Der Ökomarkt in der Kreisstadt sei mit Bioladen, Reformhaus und Wochenmarkt ausgeschöpft. Alles weitere laufe auf Verdrängung hinaus. Um auch in Zukunft bestehen zu können, hat sie grade in eine neue Tiefkühlung investiert. "Man muss auf dem neusten Stand bleiben. Wir werden Kopf hoch und grade voraus marschieren", zeigt sie sich kämpferisch. Als letzten Schritt, wenn gar nichts mehr gehe, werde sie auch juristische Schritte prüfen.

CDU-Fraktions-Chef Horst Möller ärgert sich über Bartolains Initiative: "Ich finde es ein Unding, dass jemand verunglimpft wird, noch bevor er eröffnet hat. Da soll wieder von vornherein etwas kaputt gemacht werden. Das ist eine Shit-Kampagne und wieder typisch für Oldesloe"

Ganz anders die Reaktion von SPD-Fraktionsvorsitzender Maria Herrmann: "Ich habe ein Herz für Bürgerinitiativen und finde das unterstützenswert." Das sei aber ihre Privatmeinung. Als Ausschussvorsitzende sage sie: "Wenn die Abwägungen für den Bebauungsplan nicht zur Farce werden sollen, müssen wir uns damit ernsthaft beschäftigen. Dass das Innenministerium so klar Stellung bezogen hat, ist ein deutliches Indiz, dass wir da was machen sollen."

Konkret befürchtet das Innenministerium negative Auswirkungen auf das Standortgefüge und Verdrängungseffekte für die Innenstadt. Die Stadt stehe in der Verantwortung, die Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Fachmarktzentrums entsprechend zu beeinflussen. Die Größe der Geschäfte wie auch das Warensortiment sollten durch konkrete Festsetzungen definiert werden. Seitens der Verwaltung sieht man das anders, da der Investor ein Gutachten in Auftrag gegeben hatte. In dem achtseitigen Werk kommt die Expertin zu der Erkenntnis, "dass eine Einschränkung der innenstadtrelevanten Sortimente am Planstandort nicht getroffen werden sollte", da die Innenstadt davon nicht beeinträchtigt werde.

"Die Politiker dürfen sich damit nicht zufrieden geben", warnt der städtische Ladenflächenmanager Stefan Pötzsch: "Als Einzelhandelsexperte bin ich überzeugt, dass das Reformhaus und der Bioladen stark geschädigt oder ruiniert werden." Das Baugesetzbuch regele, dass mehr als zehn Prozent Umsatzverteilung nicht mehr verträglich und damit nicht zulässig seien, weil sie eine erhebliche Gefährdung für Versorgungsstrukturen darstellten.

Am kommenden Montag, 10. Februar, beschäftigt sich der Bauausschuss ab 19 Uhr im Stadthaus in öffentlicher Sitzung mit dem Thema.

Andreas Olbertz