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Pressespiegel

11Apr

Stormarner Tageblatt vom 11. April 2018

Der Oldesloer Mauer-Fall. Niemand hat die Absicht, eine öde Wand zu bemalen – oder doch?

Immer an der grauen Wand lang: Die Betonmauer in der Mewesstraße vom Kurparkkreisel bis zur Reimer-Hansen-Straße. nie

Bad Oldesloe. Stell dir vor, es gibt ein öffentliches Kunstprojekt, aber niemand will mitmachen. So sieht es zumindest die Oldesloer Stadtverwaltung mit Blick auf die graue und recht unansehnliche Betonwand in der Mewesstraße vom Kurpark-Kreisel bis zur Reimer-Hansen-Straße. Seit anderthalb Jahren ist im Gespräch, dass die karge Wand bunt gestaltet werden soll.

Auf SPD-Antrag war einstimmig beschlossen worden, dass der Bereich Jugendarbeit in dieser Sache Kontakt zu den Schulen aufnehmen sollte. Die Idee dahinter war, dass es sicherlich kreative Schüler geben würde, die Lust hätten, die Wand zu verschönern. Schon damals hieß es aus der Verwaltung etwas skeptisch, es müsse ja aber nicht unbedingt Graffiti sein. Erstaunt reagierte nun Tom Winter von der Familienpartei, als er feststellte, dass bis heute nichts unternommen wurde. Es scheine, als solle das Projekt ausgesessen werden. Als er in der Bürgerfragestunde seinen Unmut über eine groß angekündigte, aber nicht verfolgte Beteiligung von Jugendlichen gegenüber der Lokalpolitik ansprach, sprang ihm die SPD zur Seite. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es keine Interessenten gibt“, so Hajo Krage.

Doch genau diese Information hatte Bürgermeister Jörg Lembke von seinen Mitarbeitern erhalten. „Es wurde angeregt und die Schulen wurden kontaktiert, aber das stieß im Prinzip auf keine Gegenliebe. Es besteht seitens der Schulen nach meinem Kenntnisstand kein Interesse, und daher hat sich da auch nichts getan“, so Lembke. Schon bei der ersten Diskussion über das Projekt hatte es von Seiten der Verwaltung geheißen, man könne es probieren, aber es sei oft nicht einfach, Schulen zu solchen Projekten zu motivieren.

„Das kann nicht stimmen. Wir haben selbst nachgefragt und sofort Interessenten gefunden. Das ging relativ schnell, als wir das Projekt über Facebook bekannt gemacht haben“, so Winter. Die angeblichen Nachfragen der Stadt seien nicht bestätigt worden, der kreative Nachwuchs habe aber sofort Interesse bekundet.

Sogar ein interessierter Graffitikünstler mit pädagogischem Hintergrund habe sich via soziale Medien gemeldet, um die Verschönerung der Wand mit Jugendlichen umzusetzen. Selbst wenn keine Schule mitmache, wäre es also relativ einfach, eine Alternative zu finden, so Winter. Es könnte ein Projekt werden, das auch junge Oldesloer mit Handicap oder Migrationshintergrund mit einbinde.

Auch der neu gewählte Kinder- und Jugendbeirat habe bereits Interesse am Projekt signalisiert. „Davon ist mir nichts bekannt. Ich werde der Sache nochmal nachgehen“, sagt Lembke, der bei der Aktiv-Region nachgefragt hatte, ob so ein Projekt finanziert würde. Möglich wären bis zu 7000 Euro, wenn die Stadt nochmal dieselbe Summe investiere. Für den SPD-Fraktionsvorsitzende Björn Wahnfried der falsche Ansatz. „Wir hatten den Antrag damals finanziell niedrig gehalten, weil es ein kleines, schönes Projekt werden sollte und eben kein Riesending. Uns wäre wichtig, dass es ohne viel Aufwand umgesetzt wird.“

Zuvor war in den Diskussionen in den Ausschüssen bereits zu hören gewesen, der Bereich Jugendarbeit sei mit Projekten wie Jugendbeiratswahlen und Ferienpassplanungen ausgelastet gewesen. „Es gibt einen politischen Beschluss. Und offenbar – das haben wir jetzt von mehreren Seiten gehört – gibt es Interessenten. Wir fragen uns also, warum da nichts passiert. Wir beauftragen daher nochmal die Verwaltung, den Beschluss umzusetzen“, sagt Wahnfried. Laut einstimmigem Beschluss aus dem Hauptausschuss 2016 stehen 2000 Euro für Materialien zur Verfügung. Angeregt wurde damals, dass historische Bauten der Stadt im Graffitistil mögliche Motive sein könnten.

Patrick Niemeier