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Pressespiegel

21Dez

Lübecker Nachrichten vom 22. Dezember 2017

Auch in den Travearkaden geht manches zu Bruch. Wenn jemand guten Kontakt zu Jugendlichen hat, dann ist es Christian Wulff. Als Tanzschulinhaber weiß er, was sie umtreibt. Auch Konflikte mit Jugendgruppen, die abends in Bad Oldesloe randalieren, sind ihm nicht fremd. Er plädiert aber dafür, jungen Menschen in der Stadt mehr Möglichkeiten zur Beschäftigung anzubieten.

Auch der Spiegel im Fahrstuhl der Travearkaden wurde beschädigt, wie Tanzschulinhaber Christian Wulf zeigt.Quelle: Fotos: D. Von Dahlen

Bad Oldesloe. „Viele Jugendliche, die ich so in der Stadt beobachte, haben offensichtlich Langeweile. Hinzu kommt, dass sie in einem bestimmten Alter vor Energie überquellen, die sich irgendwann entlädt. In der Gruppe stacheln sie sich gegenseitig an und müssen den coolen Max machen“, sagt Wulff. Und dabei hat er eigentlich nicht den tätlichen Angriff eines Jugendlichen auf den Hausmeister des KuBs im Blick, den er betont als Extremfall bezeichnet. Vielmehr treffen sich auch in den Travearkaden, auf dessen Parkdeck sich seine Tanzschule befindet, immer wieder Jugendgruppen, die über die Stränge schlagen. Die Shopping-Mall bietet ihnen offenbar einen geschützten Raum.

Wulff hat schon beobachtet, wie sie mit Einkaufswagen die Rampe herunterfahren, „was auch böse enden könnte“. Zudem seien regelmäßig Wände und Türen beschmiert oder die Begrenzungen der Parkplätze beschädigt. „Am Wochenende waren die öffentlichen Toiletten verstopft. Alles stand unter Wasser“, sagt Wulff.

Einen ähnlich gelagerten Vorfall wie im KuB hat es dort allerdings auch schon gegeben. Ein Jugendlicher, der vom stellvertretenden Marktleiter Kai Herrmann zurechtgewiesen wurde, holte aus und schlug ihm mehrmals ins Gesicht. „Das Ganze liegt aber länger zurück und ging schon vor Gericht“, sagt Herrmann. Vorfälle wie dieser hätten sich aber überall abspielen können. Doch die aktuellen Sachbeschädigungen im Hause seien schon ärgerlich. „Die arme Putzfrau ist schon zu bedauern“, sagt Herrmann.

Wulff räumt ein, dass nicht alle Jugendlichen Randalierer sind, die in den Travearkaden Schutz vor der ungemütlichen Witterung haben. „Es sind zum großen Teil ganz sympathische Figuren und die meisten von ihnen sind harmlos. Was ihnen fehlt, ist ein ansprechendes Freizeitangebot“, sagt er.

„Wir nehmen viel Geld für Jugendliche in die Hand. Sicher, man könnte mehr machen, aber unsere Mittel sind auch begrenzt“, sagt Mathias Nordmann, der mit 35 Jahren zu den jüngeren Mitgliedern des CDU-Ortsverbands in Bad Oldesloe gehört. Als positives Beispiel nennt er den Kunstrasenplatz, der sich als Selbstläufer erwiesen habe, weil ihn die Jugendlichen gut annehmen. Im neuen Jahr werde ja nun der Streetworkout am Exer gebaut. Es sei zu hoffen, dass er auch so gut angenommen werde. „Ansonsten haben wir doch ein sehr gutes Angebot im Sport. Es wundert mich, dass es von den Jugendlichen nicht genutzt wird“, sagt Nordmann.

Als SPD-Stadtverordneter setzt Hajo Krage (30) eher auf die Streetworker, die sich im Auftrag der Stadt um die Jugend kümmern. „Es ist wichtig, dass sie Kontakt zu den Jugendlichen aufnehmen und sie fragen, weshalb sie sich in den Travearkaden am KuB oder anderen Orten treffen“, sagt er. Nur so lasse sich in Erfahrung bringen, welche Angebote fehlen. Das Jugendzentrum Juze sei höchstens für die Altersgruppen bis zwölf Jahren interessant und das Ini-Haus am Bahnhof richte sich nur an ein ganz bestimmtes Klientel. Hoffnungen knüpft Krage daran, dass künftig ein mobiler Sportpädagoge in der Stadt aktiv werde und so den Jugendlichen ein attraktives Programm bieten könne.

Dass die Vereine in Bad Oldesloe ganz tolle Jugendarbeit leisten, dieser Auffassung ist auch Krage. Da viele Jugendliche den Weg zu ihnen aber nicht von selbst fänden, sei es sicher sinnvoll, Sportevents an Orten zu veranstalten, die sie gern frequentieren.

D. von Dahlen