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Pressespiegel

23Dez

Stormarner Tageblatt vom 23. Dezember 2017

Stormarner Wochenschau

KARIKATUR: MEGI BALZER

Rin in die Marzipankartoffeln

Davor Während wir uns alle noch auf Weihnachten vorbereiten. Geschenke, Gänse oder Puten, den obligatorischen Weihnachtsbaum nach Hause tragen und uns mit Glühwein in Stimmung bringen, ist der Christbaum aus dem Oldesloer Bürgerhaus schon Mitte der Woche den Weg alles Irdischen gegangen. Er liegt abgewrackt neben der Mülltonne. Wahrscheinlich sind die Seniorenweihnachtsfeiern durch und auch sonst finden wohl im Bürgerhaus keine Veranstaltungen mehr statt. Also raus damit! Auch wenn das eigentliche Fest erst noch stattfindet. Wenigstens in diesem Punkt ist die Stadt ihrer Zeit voraus.

Danach Das kann man auch in Sachen Weihnachtsmarkt sagen. Böse Zungen behaupten, es ginge lediglich um den Kommerz, dass der Markt noch bis Ende des Jahres geöffnet hat. Nein, hier kommt die Stadt einer sozialen Aufgabe nach. Wer drei Tage lang mit seiner Verwandtschaft in trauter Einigkeit unter dem Weihnachtsbaum verbracht hat, der hat jeden Anspruch auf etwas frische Luft und wärmende Getränke mit den Nachbarn. Zur Erholung und zum Ausklang des Weihnachtsfestes sozusagen. Die Zeit zwischen den Jahren ist ja auch nur Fiktion. Die Wurstbude vom Wochenmarkt weiß das – und bleibt zu Hause. Aber am anderen Ende der Straße ist ja nun für Ersatz gesorgt.

Daneben Ausklang ist ein Stichwort. In der Stadtschule in Bad Oldesloe klingt die Zeit jetzt aus, in der auf dem Waveboard durch die Pausenhalle geflitzt werden durfte. Es bestehe nämlich die Gefahr, meint der Bürgermeister, dass das Gebäude beschädigt werde. Kurzerhand verbot er das Fahren im Gebäude im Rahmen des Ganztagsunterrichts. Man kann sicherlich darüber diskutieren, warum die Kinder nicht einfach unter freiem Himmel ihrem Bewegungsdrang nachgehen – schließlich gilt immer noch der Satz „es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“. Möglicherweise sind die Kinder heutzutage ja aus Zucker – man weiß es nicht. Allerdings hilft die Law-and-Order-Position des Verwaltungschefs auch nicht weiter. Vor dem Hintergrund, dass sieben Prozent aller Mädchen und elf Prozent aller Jungen in Deutschland fettleibig sind und somit dringend Bewegung brauchen, ruft der Vorschlag des Bürgermeisters, doch lieber Tischkicker zu spielen, eine gewisse Heiterkeit hervor, nicht nur bei den Überbringern einer Petition von 200 Unterschriften. Wenn er als passionierter Fußballer und langjähriger Funktionär im Kreisfußballverband wenigstens das Fußballspielen empfohlen hätte, aber Tischkicker…?

Julklapp Weihnachten macht auch die Politik Pause. Dabei würde die Körbchenrunde passen. Die funktioniert nach dem Motto „Gibst Du mir, geb ich Dir“ und gilt als Aushängeschild des erfolgreichen „Stormarner Modells“. Das besagt (in aller Kürze), dass es besser ist, Kompromisse einzugehen als sich an untergeordnetenen Themen politisch aufzureiben und zu zerstreiten. Das ist gut und richtig, und richtig ist ebenfalls, dass der Kreis seine Erfolgsgeschichte der jüngsten Vergangenheit erst schrieb, nachdem man auf das Konsensprinzip setzte. Das bedeutet allerdings nicht, dass das „Stormarner Modell“ und die „Körbchenrunde“ deckungsgleich wären. Natürlich lassen sich bestimmte Dinge besser in kleiner Runde hinter verschlossenen Türen klären, aber es braucht klare Regeln, was hineingehört und was nicht. Wenn jeder einfach seine (bereits abgelehnten) Lieblingsthemen dort noch mal einbringen kann, ist das kein Geben und und Nehmen, sondern Schott-Julklapp.

Endspurt Was soll das erst nächstes Jahr geben, wenn die Verbraucher gestern in voreilender Ängstlichkeit schon die Geschäfte stürmten, um über Weihnachten nicht zu verhungern und zu verdursten. 2018 fällt Heiligabend auf einen Montag. Nicht auszudenken! Nur ein paar wenige Stunden Zeit für den großen Weihnachts-Einkauf, weil die Geschäfte Heiligabend ja traditionell Mittags schließen? Das ist Chaos an der Fleischtheke vorprogrammiert. Gewerkschaften und Arbeitgeber sollten die Zeit zwischen den Jahren nutzen, wenn die Erinnerungen an den Einkaufs-Endspurt 2017 noch frisch sind, und schon mal über mögliche Lösungen für Weihnachten 2018 diskutieren. Ladenöffnungszeiten bis zur Bescherung sind ja wohl das Mindeste. Einige Ältere werden sich noch an Steckrübenwinter erinnern. 2018 könnte zum Jahr des Marzipankartoffel-Winters werden. Und mal echt: Das will doch keiner.

Rolf Blase, Stephan Poost