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Pressespiegel

11Nov

Stormarner Tageblatt vom 11. November 2017

Stormarner Wochenschau

KARIKATUR: MEGI BALZER

Lauter schräge Vögel ...

Gerupft 5000 Euro Zuschuss für das Oldesloer Vogelschießen – gestrichen. „Vielleicht merkt es ja keiner“, mag sich Oldesloes Bürgermeister Jörg Lembke gedacht haben. Bei den Beratungen zum Haushalt kam das Thema jedenfalls nicht zur Sprache. Die Politiker wussten deshalb noch nichts davon und waren entsprechend entsetzt, als Ober-Vogelschießerin Sabine Prinz sie informierte.

Es zeugt von einem gewissen autokratischen Führungsstil, dass diese Entscheidung einfach mal so gefällt wurde – ohne Abstimmung mit der Politik oder gar dem betroffenen Verein. So wird in Oldesloe mit Ehrenamtlern umgesprungen.

Klar, im Oldesloer Haushalt klafft ein Millionenloch. Es muss gespart werden! Aber wo entscheidet doch nicht der Bürgermeister im Alleingang. Als Argument führte Lembke an, dass der Vogelschießer-Verein ein prall gefülltes Konto habe. Das Argument trägt aber nur, so lange man nicht weiß, was mit der Rücklage geplant ist. Die Vorsitzende kann darlegen, wofür gespart wird und dass in zwei Jahren alles aufgebraucht sein wird.

Ja, es stimmt, dem VfL wurden mal keine Zuschüsse gewährt. Unter anderem mit Hinweis auf dessen Rücklagen. Aber der Vorstand war seinerzeit auch nicht wirklich kooperativ. Regelmäßig bekommt hingegen Henning Münther Zuschüsse für seine Kirchenkonzerte. Also ganz ehrlich, wenn Kirchens keine Rücklagen hätten, sollten wir uns Sorgen machen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass im Hauptausschuss eine neue Förderrichtlinie diskutiert werden soll. Eine der ersten Änderungen würde dem Bürgermeister das Recht einräumen, von der Richtlinie abweichen zu dürfen. Außerdem soll eingefügt werden, dass auch Angebote von Unternehmen gefördert werden können. Glaubt denn ernsthaft jemand, kommerzielle Anbieter kämen ohne Rücklagen aus?

Entscheidend ist die Frage: Wollen wir das fördern? Wenn die Antwort ja lautet, muss nach einem Weg gesucht werden, es möglich zu machen.

Wende-Zeit Indien hat seine heiligen Kühe, Deutschland die Energiewende. Und was heilig ist, darf natürlich nicht in Frage gestellt werden. So störte der Stormarner CDU-Fraktionsvorsitzende Joachim Wagner die Einhelligkeit beim Landkreistag, als er nicht etwa nach Fördermitteln fragte, sondern von Prof. Dr. Werner Beba wissen wollte, ob es nicht sein könne, dass nicht nur der Mensch den Klimawandel verursache, da es den ja schon zu Zeiten gegeben habe, als weder Dieselmotoren noch Kohlekraftwerke liefen. Leider fiel die Antwort genau so aus, wie man sie von Gläubigen erwartet, die keinen Zweifel an ihrer Lehre haben. Mehr als 1200 Studien würden den menschgemachten Klimawandel belegen, und Herr Wagner könne ja mal Professor Schellnhuber fragen. Nun mag der Direktor des von ihm selbst 1992 gegründeten Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung und selbsternannte Erfinder der Zwei-Grad-Obergrenze all jene begeistern, die seines Glaubens sind. Wer mit New 4.0 Kreise und Kommunen überzeugen möchte, sollte differenzierter argumentieren und die vielstimmige Kritik an Schellnhubers Thesen nicht ausblenden. Für die Politik sind die Untergangsszenarien bequem. Damit lässt sich vieles übertünchen und alles rechtfertigen: Fahrverbote ebenso wie Steuererhöhungen oder Klimaabgaben. Überprüfen kann das keiner, weil man erst in 50 oder 100 Jahren mehr weiß. Wenn überhaupt.

Rolf Blase, Andreas Olbertz